Prolog

Mykonos, Griechenland, Sommer 2009. Weiter östlich habe ich es nie geschafft. Dementsprechend aufgeregt war ich, als Sami das Angebot geäussert hat, eine Chinareise für Fernost-Anfänger zu organisieren. Intensives Training in der Brutstätte des Wushu. Kulinarische, kulturelle und Kampfsport-Abenteuer im Reich der Mitte. Eine mir zu zwei Drittel unbekannte Reisegruppe von ca. 15 Personen. Die Reisedauer beträgt zwei Wochen. Dass ich auf diese Reise durfte, obschon ich noch nicht einmal ein Jahr bei Sami trainierte, erfüllte mich mit grosser Freude. Geistig räumte ich bereits meinen Kleiderschrank in den Koffer um.

Bereits im Oktober letzten Jahres beantragten wir das Visum, buchten die Hotels und organisierten die lokalen Guides und Trainer. Mit wir meine ich natürlich den Reiseführer unserer Wahl: Sami.

Kurz darauf, am 20. Januar des folgenden Jahres, fand ein gemeinsames Training in Baar mit allen Teilnehmern statt, gefolgt von einer kurzen Vorstellungsrunde. «Schwätzed echli, susch sinder all au ned so schüüch», schalt uns Sami, als wir in seiner neuen Lounge Platz genommen haben und er seine technischen Gerätschaften in Betrieb nahm. Der Reihe nach offenbarten wir unseren Namen, unser Alter, worauf wir uns am meisten freuten und unsere bisher chinesischste Erfahrung. Einige Aussagen, die mir in bester Erinnerung geblieben sind, ist bspw. diejenige, die den Peking Garden in Altstetten als Erlebnis erwähnte oder die beiläufige Bemerkung, dass eine betreffende Person noch nie länger als zwei Stunden am Stück im Flugzeug gesessen ist.

Den Höhepunkt des Abends bildete eine für meine Verhältnisse ungewohnt informative PowerPoint Präsentation. Während Bilder der malerischen Architektur der Han-Dynastie, der exotischen Gerichte und der eindrücklichen Kalksteinformationen über den Bildschirm flimmerten, sah man allen Anwesenden das Fernweh innerlich hoch kochen. «Woaaah» und «Wow», tönte es leise aus allen Ecken unserer Runde beim Anblick der Attraktionen, Denkmäler und Naturphänomenen. Bis zu Ji Qiang. «Läck isch de parat!», «Ich hoff er nimmt üs nöd z krass dra!», «Hilfe». Das waren einige der Reaktionen unserer Box-Enthusiasten auf das Foto ihres Trainers, der oben ohne in einer eindrücklichen Pose seine körperliche Fitness bekräftigte. Diese Äusserungen waren zurecht, denn Ji Qiang ist Weltmeister im Sanda Boxen. Läck war ich froh, mit der Taolu Gruppe unterwegs zu sein. Unsere Trainerin, Han Li Yun, machte einen sympathischen Eindruck. Wir erfuhren auch, dass sie eine exzellente Instruktorin sei und bereits Gruppen unbeweglicher Langnasen unterrichtet hatte und weiss, wie wir anzupacken sind.

So schnell wurden wir alle also auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Vergnügen, Essen und Sight Seeing sind nicht die einzigen Tätigkeiten dieser Reise. Auch auf ein intensives Training, auf das wir alle hoffentlich ein Leben lang zurückblicken können, freuten wir uns ungemein.

Die Abreise

Obwohl ich geistig im letztem Oktober bereits den Schrank geplündert, mein Necessaire mit der Hälfte der Sachen bestückt habe, die ich tatsächlich brauche, meine 1L Reisetrinkflasche ins Handgepäck genommen und meine Powerbank im Koffer verstaut habe, brauchte ich doch bis am Freitagabend vor der Abreise, um mit dem tatsächlichen Packvorgang vorwärts zu kommen.

Um ca. 01:00 Uhr ging ich ins Bett, um dem Jetlag prophylaktisch entgegen zu wirken. Nervös wie ein pubertierender Junge vor seinem ersten Date stand ich um 06:00 Uhr im Bett, von Müdigkeit war keine Spur. Nochmals einzuschlafen getraute ich mich nicht aus Angst, den Zug zu verpassen. Nachdem ich noch einige Stunden das unzensierte Internet der Schweiz genoss, brach ich auf. Im Interregio traf ich auf zwei mir bekannte Gesichter aus dem Training. Gemeinsam Reisen wir an den Flughafen Zürich zum Checkin 2, wo wir auf den Rest unserer bunten Gruppe trafen.

Wie üblich begrüssen wir uns mit Namen und erkundigen uns über das Wohlergehen der anderen Reiseteilnehmer, die wir vor zwei Wochen kennengelernt hatten. Natürlich nicht! Wie es sich für Erwachsene gehört stotterten wir uns mit «Hallo», «Hoi» und «Salü» an, bis jemand das Eis brach und alle nochmals nach ihren Namen fragte. Nach der erneuten Vorstellungsrunde einigten wir uns darauf, einander die nächsten zwei Wochen mit «Du», «Hey du» und «Ähm, Dings» anzusprechen, da wir uns nicht zu trauen, alle Namen zu lernen. Ich entdeckte meinerseits eine Super Strategie für dieses Problem: Ich vergab unmögliche Spitznamen wie «Mami», «Brudi» und «Russe» an Personen, deren Namen ich mir nicht merken kann oder möchte. Einige Erinnerungsfotos und Security-Checks später befanden wir uns auf dem Weg zum Gate: Beijing, wir kommen!

Der erste Flug

Im Flieger angekommen packte ich mein Rätselheft und Noise-Cancelling Kopfhörer aus. Beides gehört zu meiner absoluten Pflichtausrüstung für jeden Flug. Auf das Generöse Angebot meinen Zeitvertreib mit meinem Mitpassagieren zu teilen erntete ich leider nur Ablehnung. Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen – verging die erste Luftreise wie im Flug.

Unsere Zwischenstation war Amsterdam. Etwa zwei Stunden galt es auszuhalten, bevor wir uns auf die nächste Etappe machten: Den neuen Stunden langen Flug nach Peking. Mit einer Körpergrösse von 1,90m bin ich wohl noch lange kein Freak, jedoch kommen meine Knie in kommerziellen Flügen in der Holzklasse an ihre Grenzen. Diesen Umstand vergesse ich aber, sobald ich gefesselt dem Dröhnen der Turbinen lausche und meinen Nachbaren fasziniert vorschwärme, wie beeindruckend Flugreisen doch sind: Mehrere hundert Tonnen Stahl, Plastik, Nahrung und Menschen fliegen durch die Luft, wobei mehrere funktionierende Toiletten und Küchen installiert sind. Und all das, während wir uns mit einer Reisegeschwindigkeit fortbewegen, die von keinem Tier auch nur annähernd erreicht wird. Zu guter Letzt muss ich auch das Board Entertainment System loben. Keine technologische Gerätschaft macht den Flug so aushaltbar, wie der Bildschirm, dessen Abstand zu meinem Gesicht von der Person im Sitzplatz vor mir bestimmt wird. Wo man früher nur kratzende Musik hören konnte und einen speziellen Stereo-Adapter für Kopfhörer brauchte, befindet sich heute ein System, wo Serien, aktuelle Filme und Dokumentationen angeschaut werden können. Musik von mehreren Duzend Künstlern kann sich mit normalen Kopfhörern reingezogen werden, auch Mehrspieler-Tetris gegen andere Passagiere ist möglich. Gegen eine kleine Zuwendung an die Fluggesellschaft, kann auch WiFi bezogen werden - auf 10km Höhe mitten über der sibirischen Tundra. Wir leben wahrhaftig in einer utopischen Welt.

Nachdem ich diese Wundertüte erkundet hatte – und mich ca. zwei Stunden mit der Kindersicherung rumschlagen musste – entschied ich mich dazu, ein wenig zu schlafen. Beijing konnte nicht schnell genug kommen.

In Beijing!

Um 10:00 Uhr Ortszeit am Sonntagmorgen landeten wir am Flughafen in Beijing. Schlaftrunken versuchte ich mich wieder an die Namen unserer Reisenden zu erinnern und herauszufinden was für ein Wochentag es war. Dazu war jedoch nicht viel Zeit, denn die nächsten drei Tage verbrachten wir in der Hauptstadt Chinas mit einem vollgepackten Sight Seeing Program.

Nach der Einreise trafen wir auf unseren ersten Guide: William. Natürlich war er Chinese, «William» war nur sein westlicher Name. Sogleich nahm er und ein Fahrer uns mit in ihrem Bus zum Tiananmen Square, dem grössten Platz der Welt. Bis zu einer Million Menschen könnten sich gleichzeitig darauf aufhalten. Als wir ausstiegen, wurde uns die beissenden Minustemperaturen Beijings erst richtig bewusst. Es war eine trockene, windige Kälte, die unsere Finger, Ohren und Nasen bald in Mitleidenschaft ziehen sollte. Schnell machten wir uns hinter William auf, den Platz zu erkunden. Es war ein leichtes ihm zu folgen, denn er hatte eine kleine rote Fahne dabei – ähnlich wie asiatische Touristen in der Schweiz.

Mehrere Reisegruppen waren unterwegs, hauptsächlich Schulklassen. Was uns auffiel war, dass wir die einzigen Europäer auf dem Platz waren. Trotz der vielen Leute und diversen Reisegruppen stachen wir mit unseren farbigen Jacken und teils hellen Haaren aus der Menge heraus. Es ging auch nicht lange, bis die einheimischen davon Wind bekamen. Noch keine zwei Stunden befanden wir uns im Land und hatten schon den ersten spontanen Fototermin mit einer Schulklasse auf dem grössten Platz der Welt.

Gleich neben dem Tiananmen Square ist der Eingang zur verbotenen Stadt. Früher funktionierte diese als Residenz des Kaisers und dem einfachen Volk war das Betreten nicht gestattet. Heute ist sie für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet ein wahrliches Spektakel. Als ich das riesige über dem Eingangstor hängende Bild von Mao Zedong erblickte, fiel mir gleich auf: Das schweizerische Schulsystem scheint anders über Mao zu berichten als das chinesische. Hierzulande wird Mao regelrecht als Nationalheld verehrt. Innerhalb der Stadt war ich froh, dass William seine Fahne dabeihatte. Er legte nicht nur ein ordentliches Tempo für die Besichtigung vor, die verbotene Stadt sieht auch von allen Winkeln gleich aus. Da ich einen ähnlich guten Orientierungssinn besitze wie ein totes Eichhörnchen, war ich froh, als wir gelegentlich einem Lageplan begegneten. So imposant die Gebäude der Stadt auch waren, fiel auf, dass keinerlei Pflanzen in der verbotenen Stadt vorhanden waren. Alle Pfade waren mit Steinplatten gepflastert, von kalten Steingeländern umrahmt und von Metallenen und steinernen Figuren flankiert.

Abends gingen wir zum ersten Mal chinesisch essen: Beijing Duck. Die Vorfreude war für alle kaum aushaltbar. Nachdem wir uns über 24 Stunden von Flugzeug-Mikrowellen-Frass und widerlichen Starbucks-Muffins ernährt hatten, war es an der Zeit, endlich von der einheimischen Küche zu kosten. An zwei runden Tischen nahmen wir Platz, das Essen wurde in die Mitte auf eine drehbare Scheibe gestellt. Zur persönlichen Ausrüstung jedes Essenden zählte ein kleiner Teller, eine kleine Schüssel, ein 1dl Glas, eine Teetasse und natürlich die bekannten Stäbchen. Als wir begannen, uns mit dem für unsere Verhältnisse anspruchsvollen Besteck auseinanderzusetzen, wurde die zubereitete Ente auf Servierwägen in den Saal gefahren. Die Köche zerteilten diese meisterhaft, wickelten die abgeschnittenen Teile mit Beilagen in einen Teigfladen ein, tunkten es in die Sosse und legten das fertige Produkt zu unserem Bestaunen auf einen Teller. Nun waren wir am Zug. Die Ente haben wir schnell auf den Teig befördert. Für das Einwickeln beanspruchten wir jedoch mehrere Finger und nicht nur die Stäbchen. Auch die Sosse wollte nicht so richtig mitspielen und schlussendlich landete mehr der Ente in besagter Marinade als in unseren Mündern. Glücklicherweise hatten wir noch zwei Wochen Zeit, uns an das Besteck zu gewöhnen. William tigerte auf und ab, schaute, dass wir genug essen hatten, besorgte uns Getränke und erklärte uns, was genau wir da assen.

Später besuchten wir eine Kung-Fu Vorführung im Red Theater. Nicht nur die Leistung der Athleten war bemerkenswert, sondern auch deren Alter. Da waren zehnjährige Kinder auf der Bühne, die eine beachtliche Leistung erbrachten. Als ich einige der Bewegungen wiedererkannte, freute ich mich sogleich auf unser bevorstehendes Training in Shanghai. Es lenkte mich auch von den verbesserungswürdigen Platzverhältnissen in den Sitzen ab. Wenigstens sass ich am Rand der Reihe und konnte so ein wenig beim Platz mogeln.

Im Hotel angekommen wollten wir uns noch nicht schlafen legen. Da war eine Stadt mit dreimal so vielen Einwohnern wie die Schweiz, die darauf wartet, erkundet zu werden! Zu viert machten wir uns auf, eine Bar oder ähnliches zu finden, um über den vergangenen Tag zu philosophieren. Die Reise mit der U-Bahn gestaltete sich dann doch als schwieriger als erwartet, in Anbetracht, dass sämtliche Stationen nur auf Chinesisch angeschrieben waren.

China gestern und heute

Nach der ersten Nacht in Beijing machten wir uns am Morgen wieder auf mit William die historischen Stätten zu erkunden. Er begegnete uns im Hotel am Frühstücksbuffet und begrüsste uns mit seinem üblichen Strahlen im Gesicht. Da China ein relativ grosses Land ist, sind auch die Reisewege ziemlich lang. Regelmässig schliefen wir alle im Bus ein und überwunden so den Jetlag nur schleppend. «Everybodyyy, wake uuuup!» riss uns aus dem nicht so tiefen Schlaf. William bereitete uns für den nächsten Halt vor: Den Sommerpalast. Der Kaiser bewohnte diesen im Sommer, da das Klima in den Bergen gemässigter war als im Tal. Obschon die alten Bauten beeindruckend waren, das Granitschiff imposant erschien und der zugefrorene See einen idyllischen Eindruck machte, faszinierte mich mehr das China von heute. Beim nächsten Halt – der Grabstätte von Kaiser Ming – erfanden wir ein neues Spiel. Wir nannten es «Wie viele Kameras sind im Raum?»

Auf der Rückfahrt sahen wir einige Baustellen in der Ferne. Hier wird mindestens elfmal dasselbe Wohnhaus gebaut – und es sind dabei auch keine kleinen Wohnhäuser.

Auf besagter Rückfahrt sprachen wir auch mit William. Er erzählte uns, wieso die Chinesen Mao ehren und erklärte auch das politische System. Es sei ein Mehrparteiensystem, die kleinen Parteien dürfen aber nicht mitregieren, da Diskussionen und Debatten Zeit rauben und das politische System ineffektiv machen. Abstimmungen verliefen folgendermassen: der Parlamentsvorsitzende – heute ist dies Xi Jinping – mache einen Vorschlag für ein Gesetz, worauf die Versammlung gefragt wird, wer einen Einspruch habe. Normalerweise meldete sich niemand, da man Probleme mit der Polizei bekommen könnte. Weiter erzählte er uns von Konkurrenten von Xi Jinping, die nach der Wahl verhaftet wurden aufgrund von Korruptionsvorwürfen. Und wenn Xi Jinping nicht wiedergewählt werde, könne auch er womöglich der Korruption überführt werden. William lacht bei der Aussage, der Rest vom Bus schläft oder schaut verwirrt aus dem Fenster. Auf die Frage, wie lange wir denn bis zur nächsten Destination hätten, antwortet der Fahrer «20 bis 60 Minuten, kommt auf den Verkehr drauf an».

Etwa eine Stunde Reisezeit später türmen sich vor uns einige Hügel auf. Darauf zu erkennen ist eine dünne, beige Linie, die sich der Erhebung entlang schlängelt: Die chinesische Mauer. Die Mauer wurde an vielen Orten zurückgebaut oder zerstört. Der Teil, den wir besucht haben war jedoch in erstaunlich gutem Zustand. Mit einer Luftseilbahn machten wir uns auf den Berg, um die heute noch befestigte Mauer zu begutachten. Wie an diesem Tag üblich spielten wir unser Spiel auch auf der Mauer. Ich wusste gar nicht, dass es Videokameras in Form einer Eule gibt.

Nach dem bisher ereignisreichsten Tag machten wir uns erneut auf in einem lokalen Etablissement einzukehren. Prompt fanden wir ein solches, das abenteuerliche Drinks anbot und noch oben drauf gratis WiFi hatte.

Tempel des Tees

Am letzten Tag in Beijing stand ein Besuch beim Tempel of Heaven mit anschliessender Tee Degustation an. Nach einer Stunde Fahrzeit erwachten wir von unserem Bus-Nickerchen durch das uns vertraute «Everybodyyy, get ready!» von William. Der Tempel war ähnlich eingerichtet wie die verbotene Stadt: Kahl, viele Steine, viele Ornamente, keinerlei Pflanzen. Umgeben war der Tempel von einem kleinen Wald, der das Ganze noch mystischer erscheinen liess, als es ohnehin schon war.

Chinesen trinken immer Tee. Ob zum Frühstück, im Büro oder in der U-Bahn. Nach der Besichtigung des Tempels begaben wir uns in eine Teestube, um uns von den einheimischen Köstlichkeiten verwöhnen zu lassen. Es folgte eine interessante Lektion in chinesischer Teekultur, gefolgt von einer Degustation verschiedener Tees. Jasmin Tee, Oolong Tee, Pu’er Tee und noch einige mehr. Bei letzterem trötete eine uns begleitende Kostverächterin lautstark raus «Uh, de schmöckt ja voll nach Kamel!». Obwohl sie recht hatte waren wir alle froh, dass uns weit und breit niemand verstehen konnte. Lustiger macht diesen Umstand die Tatsache, dass dann von mehreren Leuten auch tatsächlich vom Kameltee gekauft wurde.

Am Nachmittag suchten wir die Einkaufsmeile Wangfujing nach allen möglich lokalen Schätzen ab. Seien es essbare Skorpione, Dumplings für den kleinen Hunger, Turnschuhe aus einem chinesischen Sportladen oder die schöne Unterwäsche aus Victoria’s Secret, die es garantiert nur in Beijing gibt. Die Strasse war – wie der Rest der Stadt – auch mit diversen Verzierungen geschmückt, die auf das chinesische Neujahr vorbereiten sollten.

Abends gingen wir zum Flughafen, wo wir uns unter symbolischen Tränen von William, dem besten Guide Chinas, verabschiedeten. Zu gerne hätten wir ihn für den Rest der Reise dabeigehabt.

Lǎoshī hǎo – Hallo Lehrerin

Nachdem wir eine erholsame Nacht in der Shanghai University of Sports genossen haben, begaben wir uns am Mittwoch, 7. Februar zum ersten Mal in die Trainingshalle. Diese war im Vergleich zu den Unterkünften der Universität nicht ganz so berauschend, denn sie war kalt und dreckig. Wenn man Samis Drohne mitzählt, waren zu Spitzenzeiten fünf Kameras in der Halle anzutreffen. Nach kurzem Aufwärmen unter der Führung von Han Li Yun, waren wir bereit, mit dem Formentraining loszulegen – insbesondere der Russe, der gleich als Erster seine Form zeigte. Etwa ein Jahr trainierte er bereits und konnte es kaum erwarten, seine Fähigkeiten vorzuführen. Stolz trat er auf den Teppich, nahm eine aufrechte Haltung an und legte los: Der erste Handkantenschlag in die Luft, gefolgt von einem Kommentar von Han Li Yun, den wir noch einige Male hören würden: «No, no, no», rief sie dem Performer nach der ersten Bewegung zu, eilte zu seiner Seite und zeigte, wie man es richtig macht. Das war ernüchternd.

Das erste Training war körperlich wie geistig anstrengend. Wenn wir etwas falsch machten, folgte eine Erklärung auf Chinesisch, wie die Bewegung richtig auszuführen sei. Oft war besagte Erklärung durch Bewegungen untermauert, und erstaunlich oft verstanden wir, was genau verbesserungswürdig an der letzten Bewegung war.

Abends trafen wir auf einen langjährigen Freund von Sami, der uns in eine lokale Sportbar entführte. Es gilt noch zu erwähnen, dass es eine Sportbar nach chinesischem Vorbild war, nicht nach europäischem. Folglich waren nicht 15 Fernseher installiert, auf welchen man sich Champions League oder Snooker auf Eurosport reinziehen konnte, sondern es befanden sich unter demselben Dach wie die Bar zwei Squash Hallen, eine Hand voll Baseball-Abschlag-Käfige, ein Basketballkorb, diverse andere Hallen und Tische und natürlich ein eingezäunter Fussballraum mit Kunstrasen. Nach kurzer Beratungsphase begaben wir Europäer uns für über eine Stunde in die Fussballarena. Verschwitzt, durstig und noch erschöpfter als vorher gingen wir ins nächste Etablissement, bevor wir in den frühen Morgenstunden es wieder zurück an di Sport Uni schafften.

Shanghai ohne Training

Nach dem Programm des vorherigen Tages waren wir alle froh, einen Tag zur Erholung zur Verfügung zu haben, obwohl wir alle gerne wieder in der Halle gestanden wären. Nach einer wenig ereignisreichen Besichtigung eines Tempels in der Mitte der Stadt nahm unser neuer Guide – Bessy – uns mit in den Shanghai Tower. Der Kontrast, der sich aus der Vogelperspektive bot, war atemberaubend. Es machte fast den Eindruck als würden sich über 500 Meter weiter unten hunderte Monopoly-Häuser dicht-an-dich drängen.

Nachdem wir uns wieder auf den Boden der Tatsachen begaben, führte der nächste Abstecher in ein kleines gedrängtes Viertel mitten in Shanghai: Tianzifang. Darin fanden sich unzählige kleine Läden mit allen möglichen und unmöglichen Esswaren, Handgefertigten lokalen Kunstwerken und diverse Teeshops, die alle nur darauf warteten von uns Touristen erkundet zu werden. Mein persönlicher Höhepunkt war die etwas exotische Zwischenverpflegung. Seither verstehe ich die Franzosen, warum sie es essen. Schmeckt wie Hühnchen! Könnt ihr erraten, um was es sich handelt?

Am darauffolgenden Abend besuchten wir wohl das beeindruckendste, was sich in China finden lässt: Den ERA Zirkus. Sami schwärmte uns bereits in der Schweiz von diesem Zirkus vor, er selbst hatte die Vorstellung bereits sieben Mal gesehen. Trotzdem war er super aufgeregt, als wir uns in die Arena begaben. Nachdem wir uns in unseren Plätzen eingefunden hatten, ging es los. Die Eröffnung machten Fahrradfahrerinnen, die rückwärts, zu zweit und/oder im Handstand fuhren. Als wir glaubten, dass das nicht mehr zu toppen war, sprangen die Akrobatinnen blind von Fahrrad zu Fahrrad, balancierten zu fünft übereinander auf einem der Drahtesel und zum Schluss machten sie den Abgang mit Leichtigkeit mit einem Rückwärtssalto von den Schultern Kolleginnen runter auf den Boden. Weitere Acts waren Sprungkünstler, die die Gravitation offenbar nicht sehr ernst nahmen, Balanceartisten, die Sessel-grosse Vasen auf der Kante auf ihrem Kopf balancierten, Schlangenmenschen, deren Bewegungen mindestens so unmöglich waren, wie der finale Akt: fünf Motorradfahrer fuhren durch die Manege. Einer nach dem anderen fuhren sie in die Kugel aus Metallgittern. Als alle fünf Motorräder in der Kugel waren, kamen nochmals drei zum Vorschein. Niemals. Das kann nicht möglich sein. Während wir uns erneut über die Anzahl Motorräder vergewisserten, befanden sich diese bereits in die Kugel. Acht Akrobaten auf ihren fahrbaren Untersätzen schwirrten durch die Kugel, während wir uns an den Stühlen und an einander festhielten, um die Realität nicht vollkommen zu verleugnen. Doch halt, es kam noch besser: Die Musik war live. Gelegentlich schwenkte ein Scheinwerfer auf die Musikanten, die sich hinter einem dünnen Vorhang befanden und urplötzlich stand für das Finale die Sängerin mitten in der Manege und gab der ganzen halsbrecherischen Vorstellung in der Metallkugel noch einen grösseren Gänsehautfaktor. Und es findet auch jeden Abend eine Vorstellung statt, die zurecht regelmässig ausverkauft sind.

100% China

Das nächste Training werde ich wohl nie vergessen. Nach dem obligaten aufwärmen und Grundschultraining machten wir uns wieder an die Perfektion unserer Formen. In der Mitte meines Ablaufs ist ein einfacher Sprung, bei dem man mit dem linken Bein abspringt und auf dem rechten Bein landet. Han Li Yun teilte mir mit, dass ich eine Bewegung falsch machte. Als sie mir zu erklären versuchte, wie der Sprung richtig ging, verstand ich nicht mal Bahnhof. Nach fünf Versuchen, drehte sie komplett durch. Han Li Yun rannte auf mich zu, holte mit ihrem Fuss aus und zielte auf mein linkes Bein. Im letzten Moment, bevor ihr zerstörerischer Tritt mich getroffen hätte, zog ich reflexartig das linke Bein hoch und landete auf dem rechten. Selbstgefällig grinste mich die rabiate Chinesin an und gab mir einen Thumb-Up – offenbar habe ich den Sprung unter Druck reflexartig richtiggemacht. Erschöpft gingen wir am Abend ins Bett, denn am nächsten Morgen begab eine kleine Gruppe ausgewählter Taoluaner auf eine eineinhalbstündige Odyssee durch das Shanghaier U-Bahnsystem, um unsere neuen Kleider zu besorgen. Farbenprächtige Gewänder mit aufgestickten Drachen oder Phönixen, verziert mit Glitzerpailletten erwarteten uns. Die Bestellung ging einige Wochen vor unserer Reise ein und wir konnten die fix fertigen Kleider gleich anprobieren und mitnehmen.

An dieser Stelle wird von besagten Kleidern keine Illustration eingeführt – denn in Echt sehen diese viel besser aus! Bestaunen kann man die farbenfrohe Aufmache am 18. März in Thun am Qualifikationsturniert der Schweizermeisterschaft.

Als wir am Ziel an kamen begrüsste uns ein ganz anderes China als in downtown Shanghai.
Duzende solche Wohnhäuser reihten sich nebeneinander in einer grauen Umgebung. Die verlassenen Quartierstrassen am späten Morgen liessen den Eindruck entstehen, als wäre es eine Geisterstadt.

Ausklingen in Shanghai

Am mittlerweile fünften Tag in Shanghai liessen wir die Boxhandschuhe und Turnschuhe in der Uni und erkundeten stattdessen den Yu Garden, eine wunderschöne Oase mitten in der Stadt. Erbaut wurde der Garten von einem Künstler für seine Eltern, damit diese ihren Lebensabend geniessen konnten. Obwohl der Garten sich mitten in der Stadt befindet, hört man keinen Lärm der Strassen oder des lebendigen Lebens ausserhalb der Steinmauern. Am Nachmittag besuchten wir das Venedig Chinas: Zhujia Jiao. Diese Stadt hat anstelle von Strassen Kanäle zwischen den Häuserreihen und lebte früher davon, dass die Einwohner ihre Güter mit den Gondel-artigen Schiffchen ein und aus fuhren.

Das argumentative kulinarische Highlight von Shanghai folgte an diesem Abend. Sami führte uns in ein Restaurant aus, das Hong Kong-Style Essen serviert. Vieles ist ähnlich wie bei den Mahlzeiten in Beijing oder Shanghai. Beispielsweise stehen auch hier in der Mitte des runden Tisches grosse, drehbare Glasplatten und es werden mehrere Platten und Teller bestellt, die dann geteilt werden. Die einzelnen Portionen schmeckten jedoch abwechslungsreicher und geschmacksvoller. Üblicherweise hatten wir nach den vielen Speisen genug, doch an diesem Tag hielten wir uns absichtlich zurück. Denn auf dem Programm stand noch ein spezielles Dessert: Das Toastbrot.

Das in quadratische Stücke geschnittene, mit Butter und Honig beträufelte und zu guter Letzt mit einer Kugel Vanille oder Schokolade-Eis verfeinerte Brot war eine absolute Köstlichkeit. Zwar taten wir uns alle ein wenig schwer, die Brotstücke mit den Stäbchen in unseren Mund zu befördern – trotz fast zehn Tagen Übung. Gesättigt von dem spektakulären Toastbrot ging es zurück an die Uni.

Am nächsten Morgen stand das letzte Training an. Zusammen machten wir uns alle erneut auf den Weg in die Halle. Han Li Yun begrüsste uns wie immer freundliche und forderte uns ein letztes Mal alles ab. Am Ende des Trainings überraschten uns die Boxenthusiasten mit einem Überraschungsbesuch. Naja, ganz so überraschend war der Besuch nicht, denn sie haben darauf bestanden, dass wir noch eine Vorführung unserer geübten Form inklusive der neuen Gewänder machen. Natürlich sagten wir sofort zu, denn bei der Freude, die wir selbst an unseren neuen Gewändern hatten, konnten wir es kaum erwarten, sie zu zeigen.

Beim Besuch brachten die Boxer auch ihren Trainer Ji Qian mit. Es stand schliesslich noch die Übergabe eines kleinen Dankeschöns in Form von Schokolade an, sowie der Fototermin, damit wir einander besser in Erinnerung blieben.

Nächster Halt: Guilin

Der vierte Flug führte uns in die kleine Grossstadt Guilin. Mit etwa doppelt so vielen Einwohnern wie Zürich kannte trotzdem niemand diese Stadt, denn für chinesische Verhältnisse ist sie eher auf der kleineren Seite. Aufgrund des vielen Trainings und des ausgiebigen Nachtlebens von Shanghai schlief ich im Flugzeug im Nu ein und erwachte erst wieder, als das Mittagessen bereits abgeräumt war. Mist, denn ich hatte einen Riesenkohldampf!

Catherine, unser letzter Guide, begrüsste uns ausserhalb des Flughafens und nahm uns sogleich mit ihrem Fahrer und dem nicht so geräumigen Bus mit in Richtung unseres Hotels. Als wir noch keine zehn Minuten unterwegs waren stellte sich heraus, dass ich zwar der Einzige war, der das Essen verschlafen hatte, jedoch war ich nicht der Einzige war, der nichts gegessen hatte. Die Mahlzeit im Flugzeug sei so abscheulich gewesen, dass wir alle mit einem knurrenden Magen im Bus sassen. Prompt benutzte Catherine ihre lokalen-super-Guide Fähigkeiten und lotste den Bus an eine Autogarage. Offenbar hatte sie nicht genau verstanden, was unser Bedürfnis war. Nichtsdestotrotz stiegen wir aus und als wir uns auf das Tor zu bewegten, sahen wir getrocknete Enten, Nieren und Hühnerfüsse an einer Wäscheleine aufgehängt. Und die Garage war in Wirklichkeit ein lokales Restaurant – Catherine wusste genau, was unser Bedürfnis war. Durch ein kleines Fenster sah man in die Küche und die Schüsseln waren zweckgemäss.

Geschmacklich war dieser Imbiss grossartig. Auch das Erlebnis in so einer leicht heruntergekommenen Bude etwas zu essen war ein Erlebnis. Anschliessend besuchten wir die beiden Naturspektakel Elephant Trunk Hill, ein Berg der aussieht wie ein Elefant, und Two Rivers and Four Lakes, die schöne Wasserattraktion in Mitten der Stadt selbst.

Guilin Teil zwei

Als wir am Morgen des zweiten Tages in Guilin in den Bus stiegen, stöhnte ausnahmsweise niemand mehr wegen schmerzender Muskeln. Langsam haben sich offenbar alle von den Strapazen des Trainings erholt. Leider hielt die gute körperliche Verfassung auf der folgenden Busfahrt nicht lange an. Denn nach fast genau einer Stunde überkam mich ein übles Gefühl und ich musste mich am Geländer vor dem Sitz festhalten, um nicht runter zu fallen. Aus meinem Mund quälten sich die englischen Worte mir schrecklichem Akzent: «Can we please make a stop». Als das Vehikel stillstand, griff ich nach meiner Wasserflasche und hechtete raus an die frische Luft. Als meine Flasche und ich auf einem Stein gleich nebenan die Fassung zurückzugewinnen versuchten, hörte ich Catherine im Hintergrund rufen «Everyone, go take a picture!». Lustig. Es stellte sich heraus, dass wir an einem malerischen Parkplatz gleich oberhalb einer kleinen Stadt direkt am Flussufer anhielten. Ein wunderschöner Ausblick bot sich von diesem Punkt aus über das Tal und die Kalksteinformationen.

Später auf der Bootsfahrt konnten wir weitere Stunden in der Idyllischen Umgebung die unberührte Natur bestaunen.

Das Nachmittagsprogramm war ein Dorf ethnischer Minderheiten zu ersuchen. Zu unserer Überraschung war es jedoch nicht ein bewohntes Dorf, sondern ein von der Regierung aufbereitetes Dörfchen mit einigen Museen und einheimischen, die dort als Sängerinnen arbeiteten oder Kostüme trugen für die Touristen. Mein persönlicher Glanzpunkt waren die englischen Übersetzungen der Verbotsschilder. Einige davon sind schlichtweg falsch, während andere schon fast poetisch erscheinen.

Der nächste Morgen war ganz einer Kalksteinhöhle gewidmet, die äusserst mystisch erschien durch die grosszügige Verwendung von farbigen Lichtern. Zum ersten Mal fanden wir auch Wegweiser, die in Deutsch angeschrieben waren. Wir fühlten uns schon wie zu Hause. Anschliessend an die Tropfsteinhöhle reisten wir wieder zurück nach Shanghai. Dieses Mal befand sich unsere Übernachtungsmöglichkeit jedoch nicht in der Sport Universität 30 Minuten ausserhalb des Zentrums, sondern direkt auf der belebten Nanjing Road.

Chinesisches Neujahr

Am zweitletzten Abend genossen wir eine chinesische Neujahrsparty. Sami hat sich eine vielversprechende Fete ausgesucht und setzte uns auf die Gästeliste. Obwohl wir keine Bestätigung kriegten, überzeugte Sami die Türsteherin, dass wir auf der Gästeliste sind. Nach kurzer Diskussion liess sie uns passieren, ohne Eintritt zu verlangen. Als wir an ihr vorbei gingen fiel mir eine Irregularität auf: Die Türsteherin und ihre drei Rausschmeisser-Kollegen waren alles Europäer. Komisch.

Das komische Erlebnis sollte sich doch gleich verstärkt wiederholen, als wir uns in den Club begaben. Darin fanden sich sage und schreibe fünf Chinesen. Sie arbeiteten alle an der Bar. Die restlichen Leute im vollgestopften Raum waren allesamt europäischer oder nordamerikanischer Abstammung. Auch die Musik war für meinen Geschmack etwas zu «Gangster»-ig und als einige deutschsprachige Zeitgenossen, die glücklicherweise nicht zu unserer Gruppe gehörten, anfingen Grüsse an Menschenrechtsverletzer des vergangenen Jahrhunderts zu machen, löschte es mir komplett ab. Glücklicherweise teilten die meisten unserer Gruppe meinen Eindruck und wir verschoben unsere Partygesellschaft in einen lokalen chinesischen Club.

Den nächsten und letzten Tag verbrachten wir in Shanghai mit Shopping, quasseln und natürlich gingen wir erneut den leckeren Toast essen. Den späteren Abend verbrachten wir in einem Pub gegenüber des Hotels und stiessen auf eine wahrlich gelungene Reise an, bis wir uns um ca. 01:00 Uhr entschieden, uns ins Hotel zu begeben.

Die Rückreise

Auf dem Weg zurück ins Hotel wollte keiner so richtig ins Bett. Stattdessen machten wir uns auf, das Hotel zu erkunden. Auf etwa jedem 10. Stockwerk – also sage und schreibe zweimal im gesamten Hotel – wurde in der Mitte eine Art Lounge installiert. Diese war mit Möbeln bestückt, die ich sonst nur aus Museen kenne: Alt, kantig, verschnörkelt und mit farbenfrohen Polstern ausgestattet. Wir bequemten uns in die besagten Sitzgelegenheiten, um noch ein wenig länger die amüsante Gesellschaft unserer Gruppe zu geniessen, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Reihum wurden Geschichten über vergangene Reise zum Besten gegeben, Geschichten über Unglücke, spannende Ereignisse und persönliche Erfahrungen. Geschichten aus erster Hand, die einen dereinst tränenspeisenden Detailgrad aufwiesen. Mit Anekdoten aus unseren Leben betitelten wir diese Erzählrunde, die ich gerne heute noch weiterführen würde.

So schön der lange Abend der Anekdoten auch war, so streng war der nächste Morgen. Nicht nur der physische Akt des Aufstehens nach wenigen Stunden Schlaf, nein. Auch die Tatsache, dass wir uns nach dem Checkout auf der letzten Fahrt der Reise befanden machte uns allen zu schaffen. Obschon unsere Busfahrten hauptsächlich von vielen Nickerchen und nur wenig Unterhaltung begleitet wurden, war die Stille auf dieser Busfahrt speziell. Es war eine sentimentale, traurige Stille.

Am Flughafen angekommen gaben wir das Gepäck ab, suchten noch letzte Souvenirs und etwas zu Essen, bevor wir uns in den 11.5 Stunden langen Flug nach Amsterdam setzten. 11.5 Stunden während des Tages, kein Nachtflug. Schlafen ist um des Jetlags Willen nicht empfohlen. Mehrere Protagonisten waren gesundheitlich bereits angeschlagen, Husten und Schnupfen machten ihnen zu schaffen, was keine gute Voraussetzung für eine lange Flugreise ist. Nach dem Boarding nahmen wir unsere Sitzplätze ein, einige schliefen sofort ein, andere wollten noch Musik hören oder sich unterhalten.

Der gesamte Zwischenhalt am Flughafen Schiphol dürfte wohl niemandem wirklich in Erinnerung geblieben sein. Alle waren erschöpft vom Flug, mochten weder stehen noch gehen noch sitzen. Glücklicherweise war der Anschlussflug pünktlich. Danach ging es schnell. Der Flug nach Zürich dauerte gefühlt eine Viertelstunde, abends um 22:30 Uhr ist auf dem Gepäckband nicht viel los, wir waren nach wenigen Minuten eingereist und bereit unsere Taxis Liebsten in die Arme zu schliessen. Wir verabschiedeten uns von all den neuen Freunden, die wir auf dieser Reise gemacht hatten und gingen fortan getrennte Wege.

Epilog

Der Jetlag und die Erholungszeit nach der Anstrengenden Reise machte den ersten Arbeitstag am Montag sicherlich nicht einfacher. All diese Erinnerungen zuerst noch richtig einzuordnen, zu verarbeiten, brauchte Zeit. Ich bin nicht allein, wenn ich sage, dass das eine der besten Ferien waren, die ich je hatte. Während der gesamten Reise bemerkten wir stets lautstark, wie gut uns dieses Abenteuer gefiel. Sami hat sich selbst übertroffen mit der Organisation der Events, wie er uns durch diese Reise gelotst hat und auch das Training war für alle Beteiligten ein absolutes Highlight. Natürlich kam die Frage auf, wann wir wieder nach China gehen werden. Sami machte uns natürlich Hoffnungen auf eine erneute ähnliche Durchführung der Reise – und wenn es eine Warteliste gibt, weiss ich, dass ich nicht der Einzige bin, der schon drauf ist.

 Ich bin froh, diesen Bericht schreiben zu dürfen und unsere Geschichte für andere Leser aufbereiten kann. Ich hoffe auch, dass es euch genau so viel Spass gemacht hat diese Zeilen zu lesen, wie ich hatte, all das zu erleben. Zuletzt möchte ich noch offen und ehrlich meine Bewunderung für Sami, Wushu, China und unsere Gruppe Protagonisten ausdrücken.

Danke an euch alle, euer Dominik.

P.S: Simona vom Frauen-Boxen Kurs in Zürich, welche auch in dieser Reise teilgenommen hat, hat auch einen Bericht verfasst!